Schwerpunktregionen weltweit

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ÖL- UND GASFÖRDERUNG OFFSHORE Eine extreme Herausforderung

Mehr als zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt. Somit liegt es nahe, dass nicht nur an Land, sondern auch auf See Erdöl und Erdgas gefördert werden. Allerdings ist bei der sogenannten Offshore-Förderung ein deutlich höherer technischer Aufwand notwendig als an Land. Denn um die Lagerstätten unter dem Meeresboden zu erreichen, sind Plattformen notwendig, von denen aus gebohrt und produziert werden kann. Bohrinseln und Förderplattformen gehören zu den extremsten Arbeitsplätzen der Welt. Die Mannschaft kann ihren Arbeitsplatz nur per Hubschrauber oder Versorgungsschiff erreichen und bleibt dort für mehrere Wochen.

Die Arbeiter an Bord sorgen rund um die Uhr dafür, dass die Produktion problemlos verläuft. Dabei müssen Mensch und Material auch schlechteste Wetterbedingungen und meterhohe Wellen aushalten können.

Von der Bohrung bis zur Produktion Errichten der Förderanlagen

Bevor mit der Produktion begonnen werden kann, muss jedoch – genau wie an Land auch – zunächst eine Bohrung abgeteuft werden, um die Lagerstätte zu erreichen. Dazu werden spezielle mobile Bohrplattformen eingesetzt. Anschließend wird die Bohrplattform entfernt und eine Förderplattform über dem Bohrloch installiert. Über Rohrleitungen gelangen Erdöl und Erdgas vom Bohrloch zunächst auf die Plattform. Dort werden sie aufbereitet und anschließend entweder über eine Pipeline direkt an Land transportiert oder auf Schiffe verladen. Welche Plattformtypen zum Einsatz kommen, hängt von der Tiefe des Wassers ab – Plattformen in flachen Wasser unterscheiden sich deutlich von denen in tiefen Gewässern. Die Unterschiede zwischen den Plattformen und ihre Einsatzgebiete erklärt unsere Grafik.

 

Europas wichtigste Versorgungs-Region Die Nordsee

Als Erdöl- und Erdgaslieferant ist die Nordsee für Europa momentan unersetzlich – mehr als die Hälfte des heute in der Europäischen Union verbrauchten Erdgases stammt von dort, ebenso wie ein Viertel des Erdöls. Auch für Wintershall als großen europäischen Erdöl- und Erdgasproduzenten gehört die Nordsee zu den traditionellen Schwerpunktgebieten: Bereits seit 1965 sind wir in der Region aktiv und betreiben mehr als 20 Plattformen. Die meisten Produktionsplattformen von Wintershall befinden sich in einer Wassertiefe von 25 bis 40 Metern. In Norwegen führt Wintershall jedoch auch eigenoperierte Explorationsbohrungen durch, die in einer Wassertiefe von bis zu 400 Metern anfangen.

Öl und Gas aus Norwegen

Norwegen ist neben Russland der wichtigste Erdöl- und Erdgaslieferant Europas. Wintershall hat ihre Aktivitäten in Norwegen in den letzten Jahren deutlich ausgebaut und ist mit rund 50 Lizenzen einer der größten Lizenznehmer auf dem norwegischen Kontinentalschelf. So hält das Unternehmen unter anderem Anteile an den Feldern Brage, Gjøa und Vega und ist bei den beiden produzierenden Feldern Brage und Vega Betriebsführer.

Die erste Plattform in der norwegischen Nordsee, bei der Wintershall Betriebsführer wurde, ist die rund 125 Kilometer von der norwegischen Küste entfernt gelegene Brage-Plattform. 140 Meter ist das Wasser an dieser Stelle tief, im Jahr 1993 wurde hier zum ersten Mal Erdöl produziert. 20 Jahre später übernahm Wintershall die Betriebsführerschaft von dem norwegischen Unternehmen Equinor Energy AS.

Heute arbeiten auf der Plattform mehr als 100 Mitarbeiter im Schichtdienst, jeweils 14 Tage lang. Über ihren Alltag in diesem rauen Umfeld berichtet der folgende Film. 

 

Ferngesteuerte Förderung in den Niederlanden

In den Niederlanden ist Wintershall einer der großen Erdgasproduzenten und betreibt hier rund 20 Offshore-Plattformen, die größtenteils über ein hochmodernes Funküberwachungssystem vom Festland aus gesteuert werden: Die Zentrale für Remote Controlled Operations (RCO) in Den Helder kontrolliert neben den niederländischen Plattformen auch Plattformen in der britischen und deutschen Nordsee. So reduziert das Unternehmen die Zahl der notwendigen Transport- und Versorgungsflüge zu den Plattformen um bis zu ein Drittel. Diese kleinen, aus der Ferne gesteuerten Plattformen sind eine der wesentlichen Voraussetzungen für die wirtschaftliche Förderung kleinerer Lagerstätten in der südlichen Nordsee. Eine der ferngesteuerten Plattformen von Wintershall ist die innovative Plattform L6-B – sie setzt neue Maßstäbe für unbemannte Miniplattformen. 

L6-B

L6-B ist die erste unbemannte Miniplattform von Wintershall. Sie produziert Erdgas in der niederländischen Nordsee und wird von einer benachbarten größeren Plattform aus betrieben, kontrolliert und mit Strom versorgt.

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6 Millionen Kubikmeter täglich

Die größte Förderplattform von Wintershall in der holländischen Nordsee ist die Plattform F16-A. Sie umfasst sieben Etagen und wiegt 3.600 Tonnen.

An Bord befindet sich eine achtköpfige Crew, die sich weitgehend selbst versorgen kann: Trinkwasser gewinnen die Mitarbeiter über eine Meerwasserentsalzungsanlage; ein Mini-Kraftwerk erzeugt aus einem Teil des produzierten Erdgases Strom. Die Lagerstätte, aus dem die Anlage fördert, liegt in einer Tiefe von rund 3.500 Metern. Insgesamt kann F16-A täglich bis zu sechs Millionen Kubikmeter Erdgas verarbeiten.

Als Chef der Plattform bin ich für alles verantwortlich, was auf der F16-A passiert – und für jeden, der hier arbeitet. Mein Team sorgt dafür, dass die Produktion rund um die Uhr reibungslos läuft. Eine Schicht dauert immer zwei Wochen, dann wird gewechselt.

Sandor Bont
 

Das ist kein leichter Job. Aber das Gefühl von Freiheit, das man hat, wenn man oben auf der Plattform steht und auf den weiten Horizont schaut – das ist einfach fantastisch.

Sandor Bont
Offshore Installation Manager F16-A

Höchste Sicherheits­standards Individuelles Konzept für jede Plattform

Oft hunderte Kilometer vom Festland entfernt und extremsten Wetterbedingungen ausgesetzt, erfordert die Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas auf hoher See besonders umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Um neben der Sicherheit der Mitarbeiter auch den Schutz der Umwelt zu gewährleisten, gehen die unternehmenseigenen Standards von Wintershall weit über gesetzliche Vorgaben hinaus. Für jede Offshore-Anlage wird ein maßgeschneidertes HSE-Konzept erarbeitet, bei dem alle möglichen Risiken und Gefahren von Prüfern berücksichtigt werden. Neben dem Verhalten bei einem Zwischenfall oder dem Umgang mit Gefahrenstoffen trainieren die auf der Offshore-Anlage tätigen Mitarbeiter auch das Überleben in eiskaltem Wasser.

Gewährleistet wird die Sicherheit der Produktionsplattformen von Wintershall durch ein achtstufiges Barrieresystem, dessen Integrität auch beim Ausfall mehrerer Barrieren bestehen bleibt.

 

Geir Ove Kollsgård
Emergency Preparedness & Security Advisor

 

 

Acht Barrieren für mehr Sicherheit

Die von Wintershall bei der Exploration und Produktion von Erdöl und Erdgas eingesetzten Anlagen entsprechen höchsten Sicherheitsstandards. Modernste Technik ist eine der Grundlagen für Sicherheit.

Deswegen investieren wir kontinuierlich in neue Anlagen und entwickeln die Bestehenden weiter. Bereits bei der Planung von Anlagen beziehen wir Aspekte wie Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz mit ein. Bei der Offshore-Förderung setzt Wintershall ein System mit acht Sicherheitsbarrieren ein. Jede Barriere selbst besteht wiederum aus einem Bündel von Sicherheitseinrichtungen. So wäre selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass mehrere Barrieren des Sicherheitssystems gleichzeitig versagen würden, die Anlagenintegrität jederzeit gewährleistet.

Welche Barrieren für die Sicherheit der Plattformen sorgen, erklärt unsere Grafik.

  1. Das Design der Anlage sorgt für bauliche Sicherheit unter und über Wasser. Die Unterwasseranlagen werden durch Taucher oder ferngesteuerte Fahrzeuge kontrolliert.

  2. Das Untertagesicherheitsventil ist rund 100 Meter unter dem Meersgrund installiert und vermeidet, dass Öl und Gas freigesetzt werden können. Weitere Ventile sichern ergänzend.

  3. Zündquellen: Sollte Öl oder Gas austreten, sind Feuer oder Verpuffung ausgeschlossen. Alle elektrischen Geräte und Einrichtungen sind geerdet und so konstruiert, dass sie keine Funken erzeugen.

  4. Warn- und Brandmeldeanlagen: Auf allen Decks gibt es Sensoren, die auf Gas und offenes Feuer reagieren und Alarm auslösen. Besatzungsmitglieder können auch manuell Alarm auslösen.

  5. Brandschutzsysteme wie Sprinkleranlagen sowie feste und mobile Feuerlöscher befinden sich auf den Decks. Im Notfall saugen Löschwasserpumpen auf dem untersten Deck Meerwasser an.

  6. Absperr- und Abschalteinrichtungen: Sie machen die Anlage druckfrei und schotten Gefahrenstoffe ab. Ein Absperrventil riegelt die Plattform im Bedarfsfall von der Exportpipeline ab.

  7. Zur Notfallplanung gehören eine Reihe von Vorrichtungen: sichere Evakuierungsräume,
    Hubschrauberlandeplätze, Notstromaggregate und intakte Kommunikationsverbindungen.

  8. Rettungsequipment: Muss die Besatzung die Plattform verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen, stehen Rettungsboote und geschlossene Rettungskapseln bereit. Evakuierungen werden regelmäßig trainiert.

Aus Alt macht Neu

In der rauen See müssen nicht nur die Menschen, sondern auch das Material Höchstleistung erbringen. Unter diesen Bedingungen beträgt die Lebensdauer einer Plattform rund 25 Jahre. Danach werden die Anlagen normalerweise demontiert und verschrottet.

 

Rückbau der Plattform K10-B in der niederländischen Nordsee.

Wintershall ist es jedoch gelungen, Ökonomie und Ökologie sinnvoll zu verbinden: Das Unternehmen baute zwei seiner Plattformen in der niederländischen Nordsee um und modernisierte diese vollständig. Im Vergleich zu einem vollständigen Plattform-Neubau wurden so Kosten, Zeit und Material gespart, da ein Großteil der Anlagen weiterverwendet werden konnten.

Bildergalerie Offshore-Förderung

 
Der "Lebenszyklus" EINES ÖL- UND GASFELDES

Die Lebensdauer von Erdöl- und Erdgasfeldern gliedert sich in unterschiedliche Phasen von der Entdeckung bis zum Rückbau.

Wertschöpfungskette / Produktion