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17.12.2018

Couchsurfing mit TrittinRussland jenseits der Klischees: Ein Abend mit Jürgen Trittin, Thilo Wieland und Couchsurfer Stephan Orth

© Wintershall/Phil Dera

Bei der Lesung des Bestsellers „Couchsurfing in Russland“ diskutierten Autor Stephan Orth, Wintershall-Vorstand für Russland Thilo Wieland und der stellvertretende Vorsitzende der deutsch-russischen Parlamentariergruppe Jürgen Trittin (Die Grünen), mit dem langjährigen Moskau-Korrespondenten von Spiegel Online Benjamin Bidder über die Wahrnehmung Russ-lands jenseits von Klischees.

Mehr als 120 Gäste folgten im Berliner Sälchen in entspannter Wohnzimmeratmosphäre den Reiseberichten Stephan Orths, der als Couchsurfer in Russland hinter einer schroffen Fassade oftmals große Herzlichkeit entdeckte. In diesem Punkt waren sich alle Diskussionsteilnehmer mit dem Reisejournalisten einig. Daher unterstützen Trittin und Wieland ein visafreies Regime, um den direkten Austausch der Menschen zu stärken. „Die Visafreiheit würde speziell für die junge Generation dazu führen, dass man selbst ein Land kennenlernen kann, über das man überwiegend Negatives aus der Presse erfährt“, so Wieland. 

Für den Bundestagsabgeordneten Trittin sind die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges identitätsstiftend und verbinden die Bevölkerungen beider Länder. Seiner Ansicht nach „ist es die Größe Russlands gewesen, nach den traumatischen Erfahrungen des Großen Vaterländischen Krieges den Deutschen wieder die Hand gereicht und auf ein gutes Verhältnis hin gearbeitet zu haben“.

Schnell wurde die Gesprächsrunde von der aktuellen Debatte eingeholt: Nord Stream 2 und die angebliche Erdgasabhängigkeit der EU von Russland. Darauf angesprochen erklärte Trittin: „Es gibt keine Abhängigkeit. Die Abhängigkeit Russlands von den Einnahmen aus dem Gasverkauf ist weitaus höher als unsere Abhängigkeit von den Erdgaslieferungen.“ In Europa gibt es einen offenen Markt und die Erdgasnachfrage steigt, also soll der Markt entscheiden, woher das Erdgas kommt. Denn das gibt es „zu günstigeren Preisen als das Frackinggas, was uns Donald Trump aufschwatzt.“ Trumps Widerstand gegen Nord Stream 2 führte der Bundestagsabgeordnete nicht auf moralische Gründe zurück, sondern bezeichnete ihn als „das übliche Geschäftsgebaren gegen einen Wettbewerber“. 

Ein weiterer Vorteil von Pipelinegas ist Trittins Meinung nach der niedrigere CO2-Fußabdruck. „Die Verflüssigung von Gas und die Regasifizierung führen dazu, dass ungefähr 25 bis 33 Prozent verschwendet werden“, erklärte er. Für Wieland sind dies keine neuen Erkenntnisse: „Erdgas ist der sauberste fossile Brennstoff. Die Energiewende ist nur mit erneuerbaren Energien nicht zu schaffen. Wir brauchen Erdgas aus Russland. Nord Stream 2 erweitert die Kapazitäten und trägt zu einer diversifizierten Gasversorgung bei.“