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Wie fossile Brennstoffe
die Welt bewegen Kondensat

Erdöl ist nicht gleich Erdöl

Manche Erdöle sind leicht, fast sofort einsetzbar und deshalb sehr wertvoll. Mehrere sind schwer und müssen mehrere Raffinerieprozesse durchlaufen, um verwendbar zu sein. Eines der leichtesten und wertvollsten Erdöle ist Kondensat - aus ihm werden beispielsweise Benzin, Düsen-, Diesel- und Heizbrennstoffe erzeugt.

Wie sieht Kondensat aus?

Kondensat kann verschiedene Farbtöne haben, von wasserklar über gelb bis hin zu braun. Das Achimov-Kondensat, das Wintershall im sibirischen Urengoi-Feld fördert, ist beispielsweise eine orange-gelbliche Flüssigkeit. Im Vergleich zu herkömmlichem Erdöl ist Kondensat viel dünnflüssiger und ähnelt bei Raumtemperatur der Konsistenz von normalem Wasser.

Wo kommen Kondensat und seine Nebenprodukte im Alltag vor?

Bei einem Flug in den Urlaub werden die Flugzeugtriebwerke mit Jet-A1 betrieben, der meist gebräuchlichsten Kerosinsorte in der Luftfahrt. Kerosin wird aus Kondensat und Erdöl hergestellt und ist ein Treibstoff für Flugzeuge.

Wer ein Feuerzeug oder einen Campingkocher benutzt, bekommt aus dem Behälter Flüssiggase geliefert.

Diese entzündlichen Gase sind unter Druck flüssig, werden beim Ausströmen gasförmig und halten die Flamme am Brennen.

Flüssiggas ist ein Bestandteil von Kondensat und wird im Verarbeitungsprozess von diesem abgetrennt.

Warum ist Kondensat so wertvoll?

Kondensat ist ein extrem hochwertiges Leichtöl. Im Vergleich zu normalem Erdöl muss Kondensat weniger Raffinierungsprozesse durchlaufen und ist so schon von Anfang an sehr ergiebig.

Rohöle werden anhand des API-Grads klassifiziert. Je niedriger der API-Grad, umso schwerer das Öl und umso aufwändiger der Raffinationsprozess.

Wegen des relativ geringen Raffinationsaufwandes ist Kondensat ein sehr gefragtes Rohstoffprodukt.

Aus Kondensat werden Flüssiggas, Benzin, Flugtreibstoff und Diesel hergestellt. Es kann auch als Rohstoff direkt in der Petrochemie unter anderem zur Herstellung von Kunststoffen eingesetzt werden.

Einen Teil des Kondensats von Wintershall aus den Achimgaz Feldern wird nach Abtrennung von Flüssiggas mit anderen russischen Rohölen gemischt und als "Russian Blend" auf dem Weltmarkt verkauft.

Wie wird Kondensat gewonnen und aufbereitet?

Kondensat stammt aus Gas-Kondensat-Lagerstätten und wird mit verschiedenen Verfahren vom Erdgas getrennt. Hier wird der Aufbereitungs-Prozess anhand des Achimov-Kondensats von Wintershall erklärt.

In 3.000 - 4.000m Tiefe befindet sich das Reservoir gefüllt mit einem Gemisch aus Erdgas und Kondensat. Dieses Gemisch - das Gaskondensat - steht unter hohem Druck und fließt daher von alleine hoch. Pumpen ist nicht notwendig. Das gesammelte Gaskondensat kommt in eine Aufbereitungsanlage. Dort wird die Temperatur des Gaskondensats soweit gesenkt, dass es sich in Kondensat, Wasser und Gas auftrennt. Über Pipelines wird das Kondensat zu Raffinerien transportiert, die es weiter verarbeiten.

  1. Sammlung und EingangsabscheidungDas geförderte Gaskondensat aus verschiedenen Bohrungen wird gesammelt und in die Prozessanlage geleitet. In die Anlage tritt ein Gas-Flüssigkeits-Gemisch ein. Im Eingangsabscheider werden zunächst schwereres Kondensat und Wasser abgetrennt.

  2. Abkühlung und KaltabscheidungIm nächsten Schritt wird das Gas auf -30° C abgekühlt - dabei entsteht weiteres Kondensat.

  3. Gas Das Gas wird über Pipelines nach Europa gebracht.

  4. Kondensat Das Kondensat geht in Pipelines zu Raffinerien, wo es weiter verarbeitet wird.

Kondensat und seine Aggregatzustände

Kondensat kann verschiedene Aggregatzustände annehmen - von flüssig bis fest - je nach Temperatur. Beispielhaft sind die Aggregatzustände für Achimov-Kondensat zu sehen.

0-30° C
Achimov-Kondensat

Wie wird Kondensat in Pipelines transportiert?

Da Kondensat nur unter bestimmten Bedingungen flüssig bleibt, ist es nicht leicht durch Pipelines zu transportieren - besonders nicht unter den Bedingungen, die bei dem Achimov-Kondensat im kalten Sibirien herrschen.

Damit das Kondensat nicht fest wird, muss es mit einer Temperatur von über 25°C durch Pipelines befördert werden. Wird Kondensat kühler, nimmt es aufgrund der beinhalteten Paraffine letztendlich eine feste Form an.

Im schlimmsten Fall hätte man statt einer Pipeline mit flüssigem Kondensat eine kilometerlange Kerze und eine komplett verstopfte Pipeline. Um dies zu vermeiden, wird die Temperatur der Pipelines genau überwacht und gegebenenfalls durch Beheizung angehoben.

Die Pipeline, durch die das Achimov-Kondensat transportiert wird, befindet sich etwa einen Meter unter der Erde. Dadurch wird eine Abkühlung durch den kalten Wind in der Nähe des Polarkreises ausgeschlossen.

In regelmäßigen Abständen verläuft die Pipeline durch Aufheizstationen über der Erdoberfläche. In diesen kann das Kondensat mit Brennern erwärmt werden, damit es nicht fest wird und die Pipeline verstopft. Beheizt werden die Brenner mit Gas, das bei der Gaskondensatförderung gewonnen wurde.

 
Erdgas