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Das Pilotprojekt Polymerfluten Bockstedt

In einem kleinen Teil des Feldes Bockstedt soll das Biopolymer in den kommenden drei Jahren getestet werden. Dabei wird mit Schizophyllan versetztes Wasser der Lagerstätte zugeführt und die Auswirkungen auf die Förderung aus den umliegenden Bohrungen beobachtet.

Die gewonnenen Erkenntnisse geben Aufschluss darüber, wie sich das Biopolymer bewährt und ob es den schwierigen Bedingungen in der Erdöllagerstätte gewachsen ist.

Der Test in der Lagerstätte

Nach knapp zweijähriger Forschung bei der BASF will Wintershall das Biopolymer nun erstmals in einem Ölfeld testen und auf seine Eignung für die verbesserte Ölförderung überprüfen. Für diesen Feldversuch, der für drei Jahre angesetzt ist, wurde das norddeutsche Erdölfeld Bockstedt im Landkreis Diepholz ausgewählt.

Die Erdölförderung in Bockstedt und in den benachbarten Erdölfeldern Aldorf und Düste hat eine lange Tradition. Seit den 1950er Jahren wird hier das heimische Erdöl aus dem Boden geholt. Bereits im Jahr 1958 konnte die millionste Tonne Erdöl in der Region gefördert werden. Ein Jahr später wurde das Arbeitsgebiet durch die Entdeckung der Gasvorkommen in Eydelstedt auf die Gasförderung erweitert.

Erfolgreiche Partnerschaft:
Die Zusammenarbeit von Wintershall und BASF

Die Entwicklung von Schizophyllan ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die nur mit einem gut funktionierenden, engagierten Team zu meistern ist. Wintershall setzt deshalb auf einen starken Partner: die Muttergesellschaft BASF.



Der größte Chemiekonzern der Welt verfügt über großes Know-how und langjährige Erfahrung im Bereich der Weißen Biotechnologie. Hierbei werden Mikroorganismen und Enzyme zur Herstellung von chemischen und biochemischen Produkten genutzt – zum Beispiel durch die Fermentation, die auch bei der Produktion von Schizophyllan zum Einsatz kommt. Die Herstellung von Polymeren ist ein Schwerpunkt der Weißen Biotechnologie. Nur logisch also, dass die Forscher der BASF bei der Entwicklung des Biopolymers Schizophyllan unverzichtbar sind.

Ein etwa 70-köpfiges Team aus Mitarbeitern von Wintershall und BASF widmet sich gemeinsam dem Pilz und dem Biopolymer, das er produziert. Wie lange die Fermentation dauern muss, wie viel Zucker und wie viel Sauerstoff der Pilz für die Produktion des Polymers braucht – all das hat das Forscherteam in enger Zusammenarbeit Schritt für Schritt herausgefunden. Immer mit dem Ziel, die Produktion zu optimieren und das Biopolymer für den Einsatz in der Öllagerstätte fit zu machen.

Das Biopolymer in 3D

Im Molekül liegt das Geheimnis: Die Stabilität des Biopolymers Schizophyllan zeigt eindrucksvoll unser 3D-Modell, das Sie mit ihrer Maus "anfassen" und drehen können.

Mit einer anaglyphen 3D-Brille erfahren Sie das Schizophyllan-Molekül besonders eindrucksvoll.


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Optimales Umfeld

Bakterien von dem Polymer fernzuhalten, ist auch in der eigentlichen Produktion eine Herausforderung. Um das Biopolymer in der gewünschten Menge und Qualität bereitzustellen, muss der Produktionsprozess reibungslos und ohne jede Störung von fremden Organismen laufen. Bei der BASF in Ludwigshafen findet die Produktion des Polymers deshalb unter Hygienestandards statt, die denen der Lebensmitteltechnik entsprechen – und diese zum Teil sogar übertreffen.

Unsere Lösung

Unsere Lösung heißt Schizophyllan. Das Biopolymer bringt hervorragende Eigenschaften für den Einsatz in der Erdölförderung mit. So lässt es sich zum Beispiel weder von großer Hitze noch von viel Salz in der Lagerstätte beeindrucken.



Doch ein paar Herausforderungen müssen auch bei diesem Produkt überwunden werden: da Schizophyllan ein Bioprodukt und biologisch abbaubar ist, ist es anfällig für den Angriff von Keimen. Um es vor ihnen zu schützen, wird ein Konservierungsmittel zugesetzt, das auch bei der Papierherstellung und in der Wasserkonditionierung für Kühl- und Warmwasser verwendet wird. Es wird vollständig verbraucht, während das Biopolymer-Wasser-Gemisch das poröse Gestein der Erdöllagerstätte durchfließt.

Die Herausforderung

Tief im Erdinneren müssen sich die Experten einigen Herausforderungen stellen: Zunächst muss das Biopolymer unbeschadet in einige tausend Meter Tiefe transportiert werden. Unten angekommen, herrschen dort sehr hohe Temperaturen, denen das Biopolymer standhalten muss – und die tiefen Erdschichten sind sehr salzhaltig. Eine Erdölförderung mit Polymeren ist nicht neu; allerdings sind viele synthetische Polymere nicht biologisch abbaubar, was ihren Einsatz zum Beispiel in der norwegischen Nordsee unmöglich macht.

Schizophyllan im Einsatz: Die Idee

In vielen Lagerstätten ist das Erdöl sehr viel zähflüssiger als das Wasser. Dies bedeutet, dass das flüssigere Wasser die Gesteinsporen sehr viel leichter durchfließen kann als das Erdöl. Anstatt nun das Erdöl – wie eigentlich gewünscht – vor sich her zu schieben, findet es mit der Zeit Wege, um sich zwischen den Öltröpfchen hindurch zu quetschen - und nimmt dabei immer weniger Erdöl mit.

Eine Möglichkeit, die Fördermenge zu erhöhen, besteht darin, die Beweglichkeit oder Mobilität von Wasser und Erdöl anzugleichen. Das passiert durch die Vermischung des Wassers mit einem Polymer wie Schizophyllan: Das Wasser wird dicker und drückt auf seinem Weg durch die Lagerstätte mehr Öl aus den Gesteinsporen heraus. Mit Hilfe von Schizophyllan könnte der Entölungsgrad je nach Lagerstätte künftig von rund 35 auf bis zu 45 Prozent gesteigert werden – ein gewaltiger Schritt.

Alle Förderphasen auf einen Klick

Die dritte Förderphase

Um mehr Öl aus der Lagerstätte zu gewinnen, werden in der dritten Förderstufe, der Tertiärphase, Methoden der so genannten „Enhanced Oil Recovery“ (EOR) – „verbesserte Ölgewinnung“ – eingesetzt.

Hierzu zählt zum Beispiel das Dampffluten, das Wintershall seit 30 Jahren erfolgreich in Emlichheim an der deutsch-niederländischen Grenze anwendet. Dort wird unter hohem Druck 300 Grad heißer Wasserdampf in die Lagerstätte gepresst, der das im Gestein festsitzende, zähflüssige Erdöl erwärmt, dünnflüssiger macht und somit leichter zu Tage fördert. Der Entölungsgrad wird dank dieser Technologie von den üblichen rund 35 Prozent auf bis zu 45 Prozent steigen.



Ein ähnlicher Wert lässt sich mit dem so genannten Polymerfluten erzielen. Dabei kommen synthetische Polymere oder Biopolymere wie Schizophyllan zum Einsatz. Das Prinzip des Polymerflutens ist ein anderes als beim Dampffluten: Statt das Öl flüssiger zu machen, wird das eingepresste Wasser verdickt, das so mehr Öl aus der Lagerstätte drängen kann. Aber wie genau funktioniert das?

Die zweite Förderphase

Danach tritt die Produktion in ihre zweite Phase. Während der Sekundärförderung wird über Injektionsbohrungen im Ölfeld zumeist Wasser in die Lagerstätte gepresst, um den abnehmenden Eigendruck der Lagerstätte aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise lassen sich noch einmal zehn bis 20 Prozent des Öls fördern. Bei rund 30 bis 40 Prozent ist in der Regel Schluss. Der Rest bleibt in den Gesteinsporen zurück.

Die erste Förderphase

In der ersten Phase der Produktion, der so genannten Primärförderung, strömt das Öl durch den natürlichen Lagerstättendruck quasi von allein an die Oberfläche – allerdings nur etwa zehn Prozent. Mit traditioneller Pumptechnik, wie etwa den bekannten Pferdekopfpumpen, lassen sich je nach Lagerstätte weitere fünf bis zehn Prozent eines Vorkommens gewinnen.

Wussten Sie es? Es gibt keinen Ölsee.

Den wichtigen Rohstoff aus der Erde zu holen, ist nicht so einfach. Denn Öl lagert nicht in unterirdischen Seen, die man leer pumpen kann. Vielmehr ist der kostbare Rohstoff meist zusammen mit Salzwasser in porösem Gestein wie Sand- oder Kalkstein eingeschlossen.

Dieses ist wiederum durch undurchlässige Schichten wie Tonstein oder Salz abgedichtet. Das Öl muss mit hohem technischen Aufwand aus den Gesteinsporen gepresst und an die Oberfläche befördert werden.

Erdöl: Der Schatz in der Tiefe

Erdöl ist vor Millionen von Jahren entstanden und lagert unter der Erde. Vor allem in warmen Erdzeitaltern entstanden in flachen Meeren und Seen riesige Mengen von Plankton, das sich nach dem Absterben mit Ablagerungen wie Ton und Kalkschlamm vermischte. Dieses organische Material wurde im Untergrund eingeschlossen und verwandelte sich über Jahrmillionen unter Ausschluss von Sauerstoff und unter hohem Druck zu Erdöl.



In welcher Tiefe sich das Erdöl befindet, ist unterschiedlich. Das können einige hundert oder mehrere tausend Meter sein. Das größte deutsche Erdölfeld Mittelplate beispielsweise, aus dem Wintershall gemeinsam mit RWE Dea fördert, liegt in einer Tiefe von 2.000 bis 3.000 Metern unter dem Wattenmeer. Dort läuft die Produktion seit dem Beginn der Förderung 1987 völlig störungsfrei.

Warum brauchen wir Erdöl?

Erdöl ist der wichtigste Rohstoff der modernen Industrienationen. Neben der Verwendung als Treibstoff ist Erdöl der wichtigste Grundstoff für die chemische Industrie und damit für nahezu alle Kunststoffe, Wasch- und Lösungsmittel, Arzneimittel, Kosmetika, Wachse oder Lacke. In einer CD oder DVD plus Hülle stecken zum Beispiel mehr als ein Liter Öl und rund 40 Prozent aller Textilien enthalten Erdöl.

Pilze und ErdölWie funktioniert eigentlich die Förderung?

Wie der kostbare Rohstoff gefördert wird, warum Öl so wichtig ist und warum dabei unser Pilz eine maßgebliche Rolle spielt, das erfahren Sie im folgenden Kapitel.

Gut für die Umwelt? Na klar!

Schizophyllan ist für die Erdölförderung ein echter Gewinn: Das Produkt ist zum einen extrem hitze- und salzresistent, bleibt also auch bei hoher Temperatur und Salzkonzentration in der Öllagerstätte wirksam. Ein großer Vorteil, verfügt doch die Hälfte aller Lagerstätten weltweit über diese Eigenschaften.

Mindestens ebenso wichtig ist, dass Schizophyllan äußerst schonend für die Umwelt ist. Denn das Biopolymer ist vollständig biologisch abbaubar – ein echtes Naturprodukt.

In anderen Teilen der Welt hat man das längst erkannt: so wird Schizophyllan in Südamerika als Nahrungsergänzungsmittel und in Asien sogar medizinisch zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt.

Dank seiner hervorragenden Umweltverträglichkeit kann das biologische Produkt in der Erdölförderung sogar in hochsensiblen Ökosystemen wie dem Meer eingesetzt werden. Das ist insbesondere in Ländern wie Norwegen von Vorteil, die die biologische Abbaubarkeit für sämtliche Substanzen fordern, die bei der Offshore-Förderung verwendet werden.

Was sind Biopolymere?

Es gibt verschiedene Arten von Polymeren. Bei synthetischen Polymeren werden die Molekül-Ketten in chemischen Reaktoren erzeugt. Ein Biopolymer hingegen entsteht in einem natürlichen biotechnischen Prozess – ähnlich wie beim Bierbrauen. Im Fall von Schizophyllan produziert der Pilz Schizophyllum commune die Molekül-Ketten selbst. Die gelartige Substanz Schizophyllan besteht insgesamt aus etwa 25.000 aneinander gereihten Zuckerbausteinen.

Um es für die Ölförderung nutzbar zu machen, stellt die BASF das Verdickungsmittel in einem aufwändigen Prozess exklusiv im Auftrag von Wintershall her. Dabei werden der Pilz und eine Zuckerlösung in einem Fermenter, einer Art Gärkessel, mehr als zwei Wochen gerührt und mit Sauerstoff belüftet. Während dieses Prozesses produziert der Pilz das Biopolymer. Das entstandene Schizophyllan wird anschließend in mehreren Stufen vollständig vom Pilz getrennt und gereinigt. Wenn das Biopolymer im Ölfeld zur Anwendung kommt, ist der Pilz darin nicht mehr enthalten.

Was sind Polymere?

„Polymer“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „viele Teile“. Ein Polymer ist also eine Aneinanderreihung von Molekülen der gleichen Einheit. Polymere tauchen in unserem täglichen Leben praktisch überall auf.

Eine wesentliche Funktion haben Polymere als Verdickungsmittel, zum Beispiel in Zahnpasten und Kosmetikartikeln, um eigentlich flüssige Stoffe zähflüssig oder gelförmig zu machen.



Diese Aufgabe übernehmen sie auch in der Erdölförderung: Sie dicken das Wasser an, das somit mehr Öl aus den Poren verdrängen kann.

Der Pilz in Nahaufnahme

Von ihm hängt alles ab: Der Pilz Schizophyllum commune. Das weiße, watteartige Geflecht produziert das Biopolymer, mit dessen Hilfe Wintershall künftig mehr Erdöl fördern will. Der braune Fruchtkörper dient nur der Vermehrung.

Naturwunder aus dem WaldEin Pilz hilft bei der Erdölförderung

Wintershall entwickelt derzeit eine neue umweltschonende Technologie, die die Erdölförderung erheblich verbessern könnte. Die Idee dazu lieferte die Natur: Der Schlüssel zum Erfolg ist ein einfacher Pilz.

Toter Baum? Neues Leben!

Im Zentrum des derzeit größten Forschungsprojekts von Wintershall, an dem das Unternehmen gemeinsam mit der BASF arbeitet, steht ein einfacher Pilz: Der Pilz Schizophyllum commune.

Der „Gemeine Spaltblättling“ ist in allen Wäldern der Erde an totem Laub- und Nadelholz wie umgestürzten Bäumen anzutreffen und sucht sich die sonnigsten und trockensten Stellen aus. Er ernährt sich im Wesentlichen von Sauerstoff und verschiedenen Kohlenstoffquellen, zum Beispiel Zucker. Im Laufe seines Wachstumsprozesses erzeugt er ein Biopolymer, ein biologisches Verdickungsmittel, das er unter anderem für den Aufbau seiner eigenen Zellwände benötigt.

Ein starkes Team: Wintershall und BASF

Bernd Leonhardt, Projektleiter bei Wintershall: „Die Idee, mithilfe eines Pilzes die Erdölförderung zu maximieren, hatten wir bereits in den Achtzigerjahren. Vor ein paar Jahren entschlossen wir uns dann, das Projekt zu neuem Leben zu erwecken. Aber uns war klar: Um diese Technologie bis zur Marktreife zu entwickeln, brauchen wir einen starken Partner. Und was lag da näher, als unseren Mutterkonzern BASF ins Boot zu holen?“

Dr. Tobias Käppler (links) und Bernd Leonhardt (rechts)

Dr. Tobias Käppler, Projektkoordinator bei BASF:
„Das Potenzial dieser innovativen Methode hat die BASF gründlich geprüft. Danach stand für das Unternehmen fest, dass wir unsere Kompetenzen im Bereich der Biotechnologie hier gewinnbringend einbringen können. Mit Mikroorganismen wie Pilzen und ihrem Einsatz in biotechnologischen Verfahren kennen wir uns aus. Trotzdem stießen wir auf einige Herausforderungen, die wir aber gemeinsam gemeistert haben. Das ist auch das Spannende bei dem Projekt: Wir betreten jeden Tag Neuland, kein Tag ist wie der andere.“

Bernd Leonhardt: „Genau deshalb ist eine gute Zusammenarbeit immens wichtig. Der Austausch von Know-how, zielorientiertes Arbeiten, ein engagiertes Team, das Spaß an der Sache hat… nur wenn das vorhanden ist, kann das Vorhaben gelingen. All das hat in unserem Team aus Wintershall- und BASF-Mitarbeitern immer prima funktioniert.“

Dr. Tobias Käppler: „Das kann ich nur bestätigen: Mit Wintershall in die Pilze zu gehen, ist ein spannendes Projekt mit einer tollen Mannschaft.“

Was einen Pilz so interessant macht

Auf dieses Polymer, das nach seinem Erzeuger auf den Namen Schizophyllan getauft wurde, hat es Wintershall abgesehen – denn es lässt sich für die Ölförderung einsetzen: die gelatineartige Substanz dickt das Wasser an, das in die Lagerstätte gepresst wird, um die Fördermenge zu erhöhen.

Das verdickte Wasser kann mehr Öl aus der Lagerstätte an die Oberfläche bringen, weil es nicht mehr so leicht an dem kostbaren Rohstoff vorbeifließt. Auf diese Art ließe sich der Entölungsgrad einer Lagerstätte deutlich steigern.

Unser Vorbild: Die Natur

Lernen von der Natur – das lohnt sich. Denn was die Forschung heute an Lösungen für technische Herausforderungen entwickelt, hat die Natur oft schon vorgemacht. Ein bekanntes Beispiel ist der Lotuseffekt, das Abperlen von Wasser und Schmutz an bestimmten Oberflächen. Ein Phänomen, das bei der Lotuspflanze zu beobachten ist und heute unter anderem bei der Herstellung von Waschbecken genutzt wird.



Dass man sich die Natur für technische Innovationen zunutze machen kann, hat auch Wintershall erkannt. Derzeit wird eine umweltschonende Technologie entwickelt, mit der sich der Entölungsgrad einer Lagerstätte deutlich verbessern könnte. Die Natur spielt dabei die entscheidende Rolle.

Fragen an den Experten

Bernd Leonhardt, Projektleiter des Schizophyllan-Projekts bei Wintershall, steht Rede und Antwort.
Sie haben auch Fragen zu Schizophyllan, der EOR-Technik oder dem Polymerfluten?

Schicken Sie uns eine E-Mail.

Hat der Einsatz dieses Polymers irgendwelche Auswirkungen auf die Umwelt?

Die Erdölförderung mit Schizophyllan ist absolut umweltschonend. So hat der Feldtest mit dem biologisch abbaubaren Polymer zum Beispiel keinerlei Auswirkungen auf das Trinkwasser. Das Polymer wird in einer Tiefe von 1.300 Metern eingesetzt, wo sich das Öl zusammen mit dem Salzwasser in den Gesteinsporen befindet. Weder das Polymer, noch das Öl oder das Salzwasser kommen mit dem Trinkwasser in Berührung.


Der Grund: die geologische Schicht, in der das Erdöl und das Salzwasser lagern, ist von unseren Trinkwasserschichten durch viele undurchlässige Gesteinsschichten abgetrennt, die schon seit Millionen von Jahren existieren. Sie bestehen unter anderem aus Tonstein oder Anhydrid, einem Verwandten von Gips. Ein Stoff, der in 1300 Metern Tiefe eingebracht wird, kann also nicht in die deutlich höher gelegenen Trinkwasserebenen gelangen. In Bockstedt liegt das Trinkwasser in einer Tiefe von maximal 50 Metern.

Wie wird der Schutz der Umwelt sichergestellt?

Die natürliche Abdichtung der Grundwasser- und Gesteinsschichten zueinander intakt zu halten, ist eine zentrale Aufgabe bei der Erdöl- und Erdgasförderung, die verantwortungsvolles Handeln zum Schutz der Umwelt voraussetzt. Um dies zu gewährleisten, wird die Bohrung durch im Gestein einzementierte Stahlrohre gesichert und von Wintershall wie auch den zuständigen Aufsichtsbehörden streng überwacht. Die Behörden kontrollieren und genehmigen alle Aktivitäten, die mit der Förderung von Erdöl und Erdgas einhergehen.

Wie sieht der Zeitplan für den Test in Bockstedt aus?

Der Feldtest in Bockstedt ist in zwei Phasen unterteilt: die erste Etappe des Pilotprojekts „Polymerfluten Bockstedt“ läuft bis Mitte 2012 und sieht die Vorbereitung des Tests am Rüssener Heerweg südlich von Bockstedt vor. Das umfasst das Niederbringen von drei neuen Bohrungen und den Bau von Obertageanlagen wie Lagergebäuden, Mischeinrichtungen und Messanlagen. Anschließend wird das Biopolymer zugegeben und sein Verhalten in der Lagerstätte beobachtet. Für diese zweite Phase sind zwei Jahre vorgesehen.









Parallel zu dem Feldversuch im Erdölfeld Bockstedt geht die Entwicklungsarbeit bei Wintershall und BASF weiter. Denn um das Biopolymer in den entsprechenden Mengen produzieren zu können, ist der Bau zusätzlicher Anlagen zum Beispiel auf dem Gelände der BASF in Ludwigshafen notwendig.

Wann wird Schizophyllan zur Ölförderung eingesetzt?

Bis das Produkt in Lagerstätten von Wintershall international zur Anwendung kommen kann, wird es noch dauern. Aber für Wintershall ist Schizophyllan ein Projekt mit Zukunft: mit Hilfe des Biopolymers könnten künftig bis zu 45 Prozent des Erdöls aus Lagerstätten gefördert werden – zehn Prozent mehr als heute. Eine in Deutschland entwickelte Technologie würde so in Zukunft die Erdölförderung überall in der Welt verbessern. Und vor allem in puncto Umweltfreundlichkeit neue Maßstäbe setzen.
A brand of BASF - The Chemical Company