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Streit um FörderbohrungenAktuelles Interview der Rheinischen Post mit Joachim Pünnel, Leiter der Wintershall-Aktivitäten in Deutschland, zu den Aktivitäten in NRW

Joachim Pünnel verantwortet bei Wintershall die Gasförderung
Herr Pünnel, wie schätzen Sie als Chef der deutschen Öl- und Gasförderung von Wintershall die Erdgas-Vorkommen in NRW ein?
Deutschland verfügt über wertvolle, noch nicht erschlossene Vorkommen, auch in Form von Schiefergas, dem sogenannten Shale Gas. Die Einschätzung, wie groß die Ressourcen speziell in Nordrhein-Westfalen wirklich sind, steht noch ganz am Anfang. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe untersucht das derzeit. An diesem wissenschaftlichen Erkundungsprozess beteiligen wir uns in den Gebieten Ruhr und Rheinland. Unsere Aktivitäten beschränken sich dabei bis 2013 ausschließlich auf Vorerkundungen. Tiefenbohrungen oder Frac-Operationen sind dabei nicht geplant.

Wann wird über die mögliche Ausbeutung der Gas-Vorkommen entschieden?
Derzeit wissen wir noch gar nicht, ob diese unkonventionellen Lagervorkommen überhaupt wirtschaftlich erschlossen werden können. Was mögliche zukünftige Bohrungen angeht, gilt: Was technisch möglich ist, kann erst dann umgesetzt werden, wenn es ökonomisch und ökologisch gleichermaßen sinnvoll ist.

Sind Ihnen Fracking-Unfälle bekannt, bei denen es zu Umweltschäden kam?
Die Methode wird in Deutschland, beispielsweise in Niedersachsen, seit mehreren Jahrzehnten nicht nur zur Erdöl- und Erdgasförderung eingesetzt. Auch bei Bohrungen nach Wasser oder in den letzten Jahren bei Geothermiebohrungen wird Hydraulic Fracturing eingesetzt. Umweltschäden sind uns in diesem Zusammenhang nicht bekannt.

Wie geht es weiter?
Nur wenn sichergestellt ist, dass die Frac-Technologie in der Produktion von Schiefergas umweltverträglich, nachhaltig und auch wirtschaftlich ist, kommt ihr Einsatz für Wintershall infrage. Diese Frage lässt sich heute noch nicht fundiert beantworten.

Was kann Wintershall unternehmen, um das Fracking sicher zu machen?
Die Frac-Methode setzt Wintershall bereits seit mehreren Jahrzehnten ein. Meist in Russland, Argentinien, den Niederlanden und auch in Deutschland - ohne Auswirkungen auf die Umwelt. Eine sichere, natürliche Abdichtung zu den trinkwasserführenden Schichten bildet das in der Regel aus Ton- oder Salzschichten bestehende, über tausend Meter mächtige Deckgebirge. Neben diesem Schutz, den die Natur selbst geschaffen hat, bauen wir auch technische Sicherheitsvorkehrungen ein. Bohrungen werden einzementiert und mit einem Verbundsystem aus den Stahlrohren abgedichtet. Die technische Integrität der Bohrung wird mittels Druckprobe geprüft und ständig überwacht. Auch die Frac-Flüssigkeiten werden ständig weiterentwickelt. Zunehmend werden spezielle, umweltverträgliche Produkte angeboten.
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