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Ingenieurin aus LeidenschaftPendeln zwischen Büro, Baustelle und Behörden. Heidi Bernhardt arbeitet in einer Männerdomäne: Die Projektleiterin hat die Verdichterstation Radeland entworfen.


Es ist Besichtigungstag bei der Verdichterstation Radeland, und Heidi Bernhardt steht in der ersten fertiggestellten Verdichterhalle vor einer Gasturbine mit Schallhaube. „Das ist das Herzstück der Anlage“, strahlt die zierliche Verfahrenstechnikerin und zeigt auf den 100 Tonnen schweren Anlagenteil. Wenn die Station ab Oktober kommerziell in Betrieb geht, werden drei Turbinen dieser Bauart sibirisches Gas für den Weitertransport verdichten. Die Menge entspricht etwa einem Drittel des deutschen Jahresverbrauchs. Heidi Bernhardt hat die Verdichterstation im brandenburgischen Baruth mit ihrem vierköpfigen Team erschaffen – angefangen beim weißen Blatt Papier über den Bauantrag bis hin zu jedem einzelnen Rohr. Als einzige Frau unter Männern ist die Ingenieurin Aufmerksamkeit gewohnt. Doch das stört sie nicht: Wer Bernhardt auf der Baustelle erlebt, merkt sofort, dass sie in ihrem Element ist. Die Herausforderung im Anlagenbau sei, alle Fachrichtungen terminlich und technisch zusammenzubringen. Teamarbeit wird großgeschrieben: „Man muss nicht alles wissen“, sagt Bernhardt, „aber man muss Leute kennen, die wissen, wie es geht.“ Das Leben zwischen Büro, Baustelle und Behörden verläuft nicht ohne Tücken. „Leidenschaft muss dabei sein“, findet Bernhardt. Gleich zu Beginn hat das Ringen um Standort und Baugenehmigung das Großprojekt um ein halbes Jahr zurückgeworfen. 

„Das war kostbare Zeit, die wir an anderer Stelle aufholen mussten“, sagt Bernhardt. Von der ersten Projektskizze bis zum Baubeginn im März 2010 sind gut drei Jahre vergangen. Knifflig war der Umstieg von der Arbeit mit Plastikmodellen zum Computerentwurf: Die Schulungen, in denen die Bauarbeiter auf die 3D-Software vorbereitet wurden, verliefen nicht ohne Murren. „Aber das Konzept ging auf und wir liegen voll im Plan“, freut sich Bernhardt. Ein Leben ohne den beruflichen Nervenkitzel im Anlagenbau? Für Heidi Bernhardt ist das unvorstellbar. Mit ihrem Mann hat sie deshalb die Rollen getauscht. Er kümmert sich um den Haushalt und die beiden Kinder und ermöglicht ihr dadurch, auch in heißen Phasen der Montagebetreuung über Wochen tageweise auf der Baustelle zu sein. „Das Pendeln ist für mich ein Fortschritt“, sagt Bernhardt. 

Bei früheren Projekten in Polen, Chemnitz, Mittelplate und Ludwigshafen kam sie lange Zeit nur an Wochenenden nach Hause. Die Leidenschaft für den Ingenieurberuf kennt Bernhardt von ihrem Vater. „Er hat mir vorgeschwärmt, als Ingenieur könne man alles machen – und so ist es auch“, lacht Bernhardt. Heute versucht sie, ihre eigenen Kinder zu inspirieren. Ihre elfjährige Tochter war beim diesjährigen Girls’ Day bei Wintershall und kam begeistert zurück, nachdem sie selbst ein Feuer löschen durfte. Nicht ausgeschlossen also, dass es bald weibliche Verstärkung aus den eigenen Reihen gibt.

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